im Herrenhaus Sickte

Dr. Dietrich Wegner ist Tierarzt in Semmenstedt und ein Mitstreiter von amnesty international. Dr. Dietrich Wegner hat einen 30 Bilder umfassenden Zyklus geschaffen, der sich auf eindrückliche und zugleich einfühlsame Weise mit Menschenrechtsverletzungen auf der ganzen Welt beschäftigt. Die Ausstellung wurde im Dezember 2006 in Kooperation mit ai Wolfenbüttel im Herrenhaus Sickte gezeigt.
In seine Bilder bannt er Menschen, die vor dem Krieg fliehen; Kinder, die Freiwild wurden; Frauen, die ohne Rechte sind; Männer, die für ihre politische Einstellung mit Deportation und Folter bezahlen. Trotz aller Krassheit der Thematik wird die Würde der Betroffenen in der Darstellung nicht verletzt. Die schlichte Schwarzweißausführung mit einfarbiger Pastelltönung wirkt zu zurückhaltend und eindringlich. Dietrich Wegner fordert mit seinen Zeichnungen auf, Unrecht und Gewalt auf der Welt zur Kenntnis zu nehmen und dagegen aufzubegehren.
Als Titelbild zur Ausstellung hatte Sikki das Bild „Armut“ ausgewählt, da uns besonders in der Adventszeit durch zahlreiche Berichte in den Medien, verbunden mit Spendenaufrufen immer wieder ins Gedächtnis gerufen wird, dass in vielen Ländern der Welt die Menschen unter Unrecht und Gewalt leiden und darunter, dass ihr Staat Hunger, Krankheit und schwere Mängel im sozialen Gefüge und im Bildungssystem nicht ausreichend bekämpft. Die Menschenrechte stehen jedoch allen Menschen ohne Unterschied gleichermaßen zu.

Zur Ausstellungseröffnung am 9. Dezember 2006
Jörg Röhmann, Landrat des Landkreises Wolfenbüttel, widmete Antritssbesuch in Sickte der Ausstellung: „Nein – Bilder gegen Gewalt und Unrecht“. Vom Bilderzyklus, der von Dr. Dietrich Wegner gemalt und für amnesty international als Wanderausstellung konzipiert wurde, zeigte sich der Landrat tief bewegt und brachte dies auch in seinem Grußwort zum Ausdruck.
Im Namen der Sickter Kulturinitiative, begrüßte Margit Richert zur Ausstellungseröffnung neben dem Landrat auch zahlreiche Mitglieder des Gemeinde- und Samtgemeinderates sowie Irene Albrecht, Sprecherin der ai-Gruppe Wolfenbüttel und den Maler der Bilder Dr. Dietrich Wegner. In ihrem Grußwort sagte Richert:
"Vielleicht drängt sich dem einen oder anderem die Frage auf, was eine Kulturinitiative dazu bewegt, die sich in erster Linie damit beschäftigt, Lesungen und Konzerte, also „schöngeistige“ Veranstaltungen zu organisieren, sich mit der Thematik der Menschenrechte zu beschäftigen.
Einmal davon abgesehen, dass die Menschenrechte und die Wahrung der Menschenrechtsverfassung uns alle betrifft und jeden Menschen etwas angeht, haben wir zunächst unser besonders Augenmerk auf den Maler Dr. Dietrich Wegner und die künstlerische Gestaltung seiner Bilder gerichtet.
Im letzten Jahr durften wir von Dr. Wegner die Ausstellung „Wildwechsel“ präsentieren, mit beeindruckenden Tierbildern, auf denen Wildtiere zu sehen waren, die hier in unserer Region heimisch sind und gleich nebenan in Wald und Flur leben. Wildwechsel, war ebenfalls nicht nur eine Bilderausstellung, sondern damit verbunden war das Erscheinen des gleichnamigen Buches „Wildwechsel“, in dem Dr. Wegener, Geschichten über die Wildgeschöpfe erzählt. Und eine weitere Botschaft stand hinter diesem Thema, nämlich die Augen zu öffnen, um das zu sehen, was um uns herum lebt und was es in der Natur zu schützen und zu erhalten gilt.
Für amnesty international hat Dr. Wegner den Bilderzyklus: „Nein – Bilder gegen Gewalt und Unrecht“ geschaffen, der den Menschenrechten gewidmet ist. Jedes Bild symbolisiert die Missachtung eines Artikels der Menschenrechtsverfassung. Die Bilder künstlerisch beeindruckend gestaltet, gehen nahe, manchmal auch erst auf den zweiten Blick, wenn man z. B. erschreckt die Waffe entdeckt, die einer Frau an die Schläfe gehalten wird… Und so fordert uns Dr. Wegener wiederum mit seinen Bildern auf, nicht weg-, oder nur flüchtig, oder ein wenig – nein, sondern ganz genau hinzuschauen, auf die Gewalt – auf das Unrecht, dass in vielen Facetten auf dieser Welt jeden Tag allgegenwärtig ist."...
Samtgemeindebürgermeister Dr. Arne Pautsch hielt auf Einladung der Sikki ein beeindruckendes Referat über die Entwicklung der Grundrechte, basierend auf der Idee der Menschrechte: „Ihre Wurzeln finden die Grundrechte der Moderne bereits in der Magna Carta von 1215. Danach wurden weitere Grundrechte im Habeas Corpus Act von 1679 schriftlich fixiert.1689 brachte die Bill of Rights das Petitionsrecht und das Verbot von Verhaftungen ohne richterliche Anordnung. 1776 erklärte die Virginia Bill of Rights, dass alle Menschen von Natur aus gleich und frei sind und ihr Leben und Eigentum unverletzlich sind. In der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung wurden das Leben, Freiheit und das Streben nach Glück zu unveräußerlichen Rechten (Naturrecht) erklärt und das Recht auf Leben garantiert. 1789 wurden in der Französischen Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte die Freiheit (liberté), die Gleichheit (egalité), die Meinungs-, Glaubens- und Gedankenfreiheit festgesetzt sowie das Eigentum garantiert.“ Eingangs seiner Rede dankte er Dr. Heike Rupp-Brunswig, die die Ausstellung vermittelt hatte, sowie Margit Richert für die Organisation zusammen mit amnesty international.
ai-Sprecherin Irene Albrecht zitierte aus dem Vorwort im Ausstellungskatalog von Gudrun Kynaß: „Für die Ausstellung „Nein!“ können wir der Herrn Dr. Wegner nicht genug danken. Er zeigt mit ihr, wie sehr er den Menschenrechten und amnesty international verbunden ist. Mit dem Stift spricht er eindringlicher als ganze Bücher es könnten.“
In einem Schlusswort richtete Dr. Wegner den eindringlichen Appell an die Betrachter seiner Bilder, mitzuhelfen, Unrecht und Gewalt von Menschen gegen Menschen aufzudecken und öffentlich zu machen. In den sich anschließenden Gesprächen brachten alle Gäste zum Ausdruck, wie wichtig die Arbeit von ai sei. Fazit: „Die Menschenrechte gehen uns alle etwas an. Wir dürfen nicht wegschauen...“