
Am 25. Februar 2007 konzertierten der Wolfenbütteler Violinist Johannes Haase und der gebürtige Tiroler Akkordeonist Florian Oberlechner im Sickter Herrenhaus. Die jungen Musiker präsentierten ein mutiges Programm mit einem großen Anteil an zeitgenössischen Kompositionen. Dabei dienten ihnen die sechs auf dem gleichen Tonmaterial basierenden Melodies von John Cage für Geige und Tasteninstrument quasi als Trennstriche zwischen den einzelnen Programmteilen des Abends. Das Akkordeon, beeindruckend gespielt von Florian Oberlechner, begann mit den an einen rhythmischen Puls gebundenen Phantasmagorien von Krzysztof Olczak. J. S. Bachs Solosonate a-Moll für Violine knüpfte daran mit ihrem harmonisch vielfältigen Grave nahezu bruchlos an. Johannes Haase begeisterte in diesem anspruchsvollen Solowerk mit expressivem Spiel, für das er großen Beifall erntete. Bernd Alois Zimmermann zitiert in seiner Solo-Sonate für Violine, die auf einer Zwölftonreihe basiert, im Schluss-Satz das berühmte B-A-C-H-Motiv und der erste Satz nimmt im Präludium ebenfalls Bezug auf ein barockes Formmuster, so dass die Sonate zur Stimmigkeit des Programms beitrug. Hier bewies der junge Geiger durch die temperamentvolle, ausgefeilte Interpretation seine Fähigkeiten, moderne Musik lebendig zu vermitteln.
Florian Oberlechner nahm den roten Faden des Programms mit einer Transkription aus Bachs Clavierübung auf und zeigte in den Elusive Dialogues von Conrado del Rosario ungewohnte Klangeffekte des Akkordeons auf, das sich an diesem Abend insgesamt als ein für moderne Musik äußerst geeignetes Instrument herausstellte. In dem jüngsten Werk des Abends für Violine-Solo, den farbenreichen 10 Episoden von Trevor Björklund (* 1977) von Johannes Haase spannungsvoll dargeboten, wurden die Zuhörer mit allen modernen Spieltechniken auf der Geige, vom Glissando bis zum perkussiven Piccicati und geräuschhaften Bogenaktionen konfrontiert. Außergewöhnlich waren auch die Instrumente der Musiker. Haase spielte auf einer italienischen Violine aus dem Jahr 1796, Oberlechner auf einem Akkordeon der italienischen Firma Armando Bugari (120 Bässe, 45 Tasten, 18 Register). Ein gelungenes Konzert, das die Zuhörer im voll besetzten Rittersaal mit lang anhaltendem Applaus belohnten.
Johannes Haase (*1983)
stammt aus Wolfenbüttel, erhielt Violinunterricht von Monika Tiggeler und Knut Hartmann. Derzeit studiert er mit Thomas Klug in Bremen. Johannes Haase musizierte mit/unter der Leitung von Alexander Baillie, Esther van Stralen, Gunther Schuller, Christian Hommel, Kurt Masur und dem Pianisten Günther Herzfeld, mit dem er ein festes Duo bildet. Neben extensiven Bandtätigkeiten widmet er sich der Kammermusik des 20./21. Jahrhundert, u.a. wirkte er bei Uraufführungen von Werken von José Luis de Delas, Trevor Björklund, Martin Tansek und Christian M. Vasquez mit. In der Helios-Kammerphilharmonie Hannover ist Johannes Haase 2. Konzertmeister, als Aushilfe spielte er bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, dem Kammerorchester Berlin sowie den Bremer Philharmonikern.
Florian Oberlechner (*1978)
Der Akkordeonist und Komponist ist gebürtiger Tiroler und lebt seit 2000 in Bremen, wo er bei Margit Kern studierte. In den Bremer Jahren arbeitete er u.a. mit Klaus Huber, Younghi Pagh-Paan, Katharina Rikus und Christian Hommel. Oberlechner wirkte bei Uraufführungen von A. Ruppert, S. Geier, Joachim Heintz und Ali Gorji mit. Die eigenen Kompositionen präsentiert er unter dem Pseudonym "Flowjob", einem Quartett bestehend mit Akkordeon, Violine, Kontrabass und Tabla. Außerdem ist Oberlechner Arrangeur und Bassist für den kurdischen Sänger A. H. Can. Florian Oberlechner unterrichtet daneben Akkordeon an den Musikschulen Achim und Bremen.